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Vegetarismus - Argumente für Einsteiger


Es ist ein ganz normaler Tag. Ich sitze an einem Tisch mit Nicht-Vegetariern und plötzlich kommt die Frage: „Warum ißt du kein Fleisch ?" Jetzt soll ich allen ernstes einem vernünftigen Menschen erklären ,warum ich dagegen bin Tiere zu ermorden. In einigen Fällen muß sich ein Vegetarier sogar dafür rechtfertigen.
Vegetarismus ist in jedem Fall ethisch vertretbar. Der Fleischfresser muß zeigen, daß er ethisch vertretbar handelt, nicht der Vegetarier.

Rechtfertigt sich nun ein Mensch für seine Vorliebe für Fleisch, so kommen einem eine ganze Reihe von Argumenten entgegen, die zu lustig wären, würde es nicht um ein so ernstes Thema gehen. Obwohl diese Argumente häufig vollkommen unlogisch sind, werden sie völlig ernst in die Diskussion geworfen. Sie dienen nur dazu sich einen Schutzschild für das Gewissen aufzubauen. Die wahren Gründe (Bequemlichkeit gepaart mit einem ordentlichen Schuß Speziesissmus) werden dagegen selten angesprochen.

Argumente

Es gibt soviel wichtigeres zu tun
Pflanzen leiden auch. Daher ist es egal, ob ich nun Tiere esse oder Pflanzen.
Im Fleisch sind lebenswichtige Nährstoffe
Der Mensch ist ein Alles -/ein Fleischfresser
Tiere essen auch Tiere
Tiere können nicht denken
Leidensarme Tötung - zwecks Fleischgewinnung - ist ethisch vertretbar.



Eines der häufigsten Argumente ist ein schönes Beispiel dafür. Dessen kurz Formel lautet: "Es gibt soviel wichtigeres zu tun." Um es noch ein bißchen krasser zu gestalten, wird gerne von einigen besonders schlimmen, das heißt besonders populären Kriegen geschwafelt und manchmal tritt man sogar ins Fettnäpfchen, wenn man von hungernden Kindern in der Dritten Welt erzählt.

Das Vieh der Reichen frißt die Nahrung der Armen. Es ist belegt, daß durch hohen Fleischkonsum nicht nur das Nahrungsangebot schrumpft, sondern auch das Verteilungsproblem vergrößert wird. Woher soll der fleischfressende Mensch das denn auch wissen. Man könnte dieses Argument der Nichtstuenden ein bißchen ernster nehmen, wenn man durch den Vegetarismus etwas zusätzliches tun würde. Vegetarismus ist aber keine besondere ethische Handlung, die einem die Zeit für andere Dinge stiehlt. Kurz: Vegetarismus hindert niemanden daran sich für wirklich "wichtige" Dinge einzusetzen. Vegetarismus ist die Unterlassung einer unethischen Handlung, dem töten von Tieren. Die Probleme dieser Welt werden jedenfalls nicht dadurch gelöst, daß sie jemand ihrer Wichtigkeitsstufe nach einordnet, um dann die Hände in den Schoß zu legen.


"Pflanzen leiden auch. Daher ist es egal, ob ich nun Tiere esse oder Pflanzen." Es ist nicht erwiesen, daß Pflanzen leiden. Von Tieren wissen wir, daß sie leiden, da sie über ein ähnliches Nervensystem, welches sie befähigt Schmerzen, Streß usw. wahrzunehmen, über vergleichbare Verhaltensweisen usw. wie der Mensch verfügen. Eine Pflanze dagegen besitzt keine Struktur um Gefühle wahr zu nehmen. Es würde auch keinen Sinn ergeben. Die Fähigkeit zu leiden und sich wohl zu fühlen ist eine evolutionsbedingte Anpassung. Wenn sich ein Tier in einer Situation wohl fühlt, so ist sie dem Tier auch biologisch von Nutzen und das Tier wird sich dieser Situation immer wieder aussetzen. Leidet ein Tier, so wird es sich dieser Situation entziehen.

Da sich Pflanzen nicht bewegen können, können sie sich einer Situation auch nicht entziehen. Nehmen wir aber einmal an, daß Pflanzen doch leiden immerhin sind Pflanzen Lebewesen, welches mensch achten muß.

Gerade dann müßten wir uns erst recht vegetarisch ernähren. Da wir etwa 7 - 10 Energieeinheiten pflanzliches/tierisches Tier - Futter aufwenden müssen, damit eine Energieeinheit tierische Nahrung heraus kommt. Um Fleisch zu essen werden also nicht nur Tiere getötet, sondern auch zusätzlich Pflanzen. Vegetarismus ist nicht der goldene Weg, der jegliches Leid auf der Welt verhindern soll, sondern die Möglichkeit zumindest einen Teil des Leides, welches die Menschen den Tieren antun einzuschränken.


"Im Fleisch sind lebenswichtige Nährstoffe, wie z. B. hochwertiges Eiweiß, Eisen oder Vitamin B 12, enthalten. Daher muß ich Fleisch essen, um mich gesund zu ernähren." Neben diesen wichtigen Nährstoffen befindet sich jedoch auch ein zu viel an Fett, Cholesterin usw. im Fleisch. Da das Eiweiß/Fett - Verhältnis im Fleisch relativ ungünstig ist, wird bei einem eiweißdeckenden Verzehr von Fleisch in der Regel auch zu viel Fett aufgenommen. Konsequenz daraus muß sein, Eiweiß vor allem durch pflanzliche Nahrung aufzunehmen, da in dieser Nahrung durchaus mehr Eiweiß pro Fett gespeichert ist als bei tierischer Nahrung. Außerdem ist pflanzliches Fett aufgrund des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren gesünder als tierisches. Untersuchungen zeigen, daß alle essentiellen Aminosäuren ("Eiweißbausteinchen") im pflanzlichen Eiweiß enthalten sind (Zwar ist das Verhältnis dieser Aminosären im Pflanzenprotein, wenn mensch jedes Pflanzenprotein isoliert betrachtet, nicht so biologisch wertvoll wie die Aminosäuren - Zusammensetzung des tierischen Protein, doch dies ist nebensächlich, da wir durch das Mischen von unterschiedlichen Pflanzeneiweißen z. B. Maiseiweiß mit Hülsenfrüchteeiweiß die Wertigkeit des Protein erhöhen.). Eiweiß stellt in der Regel auch bei vegetarischer Kost kein Problem dar. Vielmehr wird dem Körper in den Industrieländern zu viel Protein zugemutet, was zu einem erhöhten Calciumbedarf (Der Köper benötigt Calcium für die Eiweißverwertung.) führt.

Auch Eisen läßt sich durch pflanzliche Nahrung aufnehmen. Hierbei muß beachtet werden, daß Vitamin C und Carotin die Eisenaufnahme begünstigen, währenddem der Verzehr von Tee, Milch und deren Produkte die Eisenaufnahme hemmt. Die weitverbreitete Meinung, daß wir Fleisch in unserer Ernährung zur Deckung des Eisenbedarfs brauchen, hat sich nicht bestätigt. Laut Ernährungsbericht 1988 konnten keine wesentlichen Versorgungsunterschiede zwischen Vegetariern und Nicht - Vegetariern festgestellt werden. In einer Vergleichsstudie ( Ernährungsbericht 1992) zeigte sich für die Gruppe, die deutlich weniger Fleisch aufnahm, sogar eine etwas höhere Zufuhr bei diesem Spurenelement. Dies erklärt sich durch den hohen Anteil an Vollkornprodukten. Außerdem sind die willkürlich gesetzten Mindesteinnahme - Empfehlungen (z. B. der Deutschen Gesellschaft für Ernährung) für Eisen umstritten. Sie werden für zu hoch gehalten.

Vitamin B12 stellt für den/die Ovo - Lakto - VegetarierIn sowieso kein Problem dar und auch der/die VeganerIn hat selten Probleme mit der Vitamin B12 - Aufnahme. Zwar kommt Vitamin B12 nur in kleinsten Mengen in einigen pflanzlichen Produkten vor, doch benötigt der Mensch auch nur sehr wenig von diesem Vitamin. Erwachsene Veganer können Vitamin B12 z. T. sogar selber synthtetisieren.

Eine ausgewogene vegetarische Ernährung ist in der Lage den Menschen mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen zu versorgen und ist darüber hinaus häufig sogar gesünder als übliche Durchschnittskost. Im Ernährungsbericht, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, wurde anhand von Studien dargelegt, daß "ernährungsabhängige Krankheiten wie Gicht, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte bei Vegetariern zur Seltenheit werden".

Der Mensch ist ein Alles -/ein Fleischfresser. Dieses Argument zielt darauf ab, daß der Mensch sich im Laufe der Evolution an das Fleisch essen angepaßt hat und daher zwar Pflanzen aber auch Tiere essen muß. Allerdings ist die Bedeutung des Fleischessens in der Evolution in der vergangenen Zeit zu hoch beachtet worden. Inzwischen wird dem Fleisch innerhalb der Evolution eine untergeordnete Rolle zu geteilt. Auch die viel beschworenen Eckzähne sind keine Beweise für den Zwang des Menschen Fleisch zu essen. Sie sind vielmehr Rudimente aus einer Zeit, in der der Mensch noch auf den Bäumen hauste. Der Mensch ist naturgemäß vor allem ein Pflanzenfresser und er hat sich im Laufe der Evolution nie daran angepaßt sehr viel Fleisch zu essen. Noch nie hat der Mensch soviel Fleisch gegessen wie jetzt in den Industrieländern. Daher kann der Mensch auch sehr gut auf Fleisch verzichten. Dieses Argument ist schon alleine deshalb hinfällig geworden, weil der Mensch in der Lage ist, sich vegetarisch gesund zu ernähren. Aus diesem Grund hat der Mensch die Entscheidungsfreiheit (er muß eben nicht Fleisch essen) und muß sich natürlich für den ethisch vertretbaren Weg entscheiden.

Tiere essen auch Tiere. Als erstes ist es interessant, daß dieses Argument häufig von den Menschen stammt, die ansonsten immer wieder auf die Unterschiede zwischen den Menschen und Tieren hinweisen und nun sich damit rechtfertigen wollen, daß die Tiere ebenfalls Fleisch essen. Natürlich stimmt das so nicht. Es gibt natürlich auch Tiere, die Pflanzen essen. Trotzdem nennen diese Menschen eben die Tiere als Vorbilder, die Fleisch essen. Hierzu ist festzustellen, daß es keinen Sinn macht eine Handlung damit zu rechtfertigen, daß auch ein anderer diese Handlung ausführt. Dies gilt ganz besonders dann wenn mensch sich auf das Verhalten von Tieren bezieht. Es gibt zwar eine Menge von Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier, die es ermöglichen ein Recht auf artgemäßes Leben auch für Tiere abzuleiten, doch sind die Tiere als moralische Vorbilder nicht geeignet. Tiere haben nicht die Möglichkeit sich über die ethische Bedeutungen ihrer Handlungen bewußt zu werden und selbst dann wären sie häufig aus Sicht der Ernährungswissenschaft gar nicht in der Lage sich vegetarisch zu ernähren. Der Mensch ist im Gegensatz zum Tier in der Lage eine moralische Entscheidung zu treffen und er muß es auch tun.

Tiere können nicht denken. Dieses Argument soll die Unterschiede zwischen Mensch und Tier hervorheben, um daraus ein Recht auf das Fleischessen herzuleiten. Eingangs ist es wichtig zu erwähnen, daß Tiere durchaus über beachtliche geistige Fähigkeiten verfügen. So ist häufig der Mensch - auch von der Wissenschaft - als das einzige Wesen bezeichnet worden, welches Werkzeuge bewußt - ohne ein genetisch vorgegebenes Programm gebrauchen zu müssen - benutzen kann. Dies hat sich schon bald als Irrtum herausgestellt, so daß mensch dazu überging zu behaupten, daß der Mensch das einzige Wesen sei, welches Werkzeuge herstellen kann. Auch dies hat sich als Irrtum erwiesen, da mehrere Tierarten - vor allem die Menschenaffen - durchaus in der Lage sind Werkzeuge herzustellen und anzuwenden. Darüber hinaus ist die Formulierung der Rechte der Tiere und damit auch die Begründung des Vegetarismus nicht darauf angewiesen den Tieren ein extrem hohes geistiges Potential nachzuweisen. Wesen sind nicht etwa deshalb zu achten, weil sie denken können, sondern weil sie aufgrund ihrer Leidensfähigkeit das Interesse haben ohne Schäden, Leiden und Schmerzen zu leben. Dieses Interesse ist zu respektieren, da es mehr wiegt als das Interesse des Menschen Fleisch zu essen. Das Interesse des Menschen für eine kurze Zeit den Geschmack (meist sogar den schlechten Geschmack) von Fleisch auf der Zunge zu spüren, kann nicht so stark wiegen wie das Interesse des des Tieres am Leben zu bleiben.

Leidensarme Tötung - zwecks Fleischgewinnung - ist ethisch vertretbar. Dieses Argument wird von sehr vielen Carnivoren/Omnivoren benuzt, die einerseits die Massentierhaltung damit grundsätzlich ablehnen, aber andererseits durch ihren Konsum von gewöhnlichem Imbiss-, Supermarkt- oder Restaurantfleisch eben die tierquälerische Haltungsform, die in der Massentierhaltung üblich ist, unterstützen. Es kann eigentlich nur pervers sein ein Tier zu Lebzeiten zu hegen und zu pflegen, wie es sich einige Biofleischfresser vorstellen, um es dann aus völlig trivialen Gründen zu töten. Dieses Argument kann wohl nur als inkonsequent Angesehen werden, einerseits soll man darauf achten, daß das Tier nicht leidet und ihm kein Schaden zugefügt wird, andererseits fügt man ihm bei schlachtreife den größten Schaden, den ein Tier erleiden kann zu - den Tod. In der zwischenmenschlichen Ethik wird es schlimmer angesehen ein Menschen zu töten als ihn zu mißhandeln, in der Tierethik einiger Menschen wird dies grundsätzlich umgekehrt, auch wenn sie hierfür keinen vernünftigen Grund angeben können.

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