PELZTIERZUCHT
Kritik an Hellers Konzept (II)
von Alexander Farkas
Der Autor setzte sich im ersten Teil seiner Arbeit (siehe "fellbeißer" Nr. 3/1998) kritisch mit Hellers "Wissenschaftliche Aspekte in der Pelztierzucht" und dessen "Ergänzung" auseinander. Nachfolgend vervollständigt Alexander Farkas die begonnene Darstellung der "Wahlversuche" und rundet seine "Kritik an Hellers Konzept" mit den Kapiteln "Analogien zum Menschen", "Tötung" und "Schlußbetrachtung" ab.
Wahlversuche
Es ist interessant zu erfahren, daß exakt derselbe Versuch bereits bei Legehennen durchgeführt worden war (28). Auch hier wählten die Tiere ohne Präferenz aus und standen mal auf dem Draht-, mal auf festem Boden. Als die Tiere jedoch anschließend in das zum Boden gehörige Haltungssystem - also bei Käfigboden in einen Käfig und bei festem Boden in ein Gehege - gesteckt wurden, wählten die Tiere bei weiteren Wahlversuchen bevorzugt den festen Boden.
Analogien zum Menschen
Laut Heller werden bei Analogien Vergleiche zwischen mentalen Erfahrungen
des Menschen und den Erfahrungen der Tiere gezogen. Dies setzt jedoch Gleichheiten
voraus, die nicht existent sind.
Heller macht dies dadurch deutlich, daß er die völlig verschiedenen
Lebensweisen von Regenwürmern, Fledermäusen und Fischen mit denen
des Menschen vergleicht. Hieraus wird deutlich, daß Heller einerseits
Analogieschlüsse ablehnt, andererseits die Grundlage von Analogien
nicht verstanden hat.
Natürlich lebt der Mensch in anderen Lebensverhältnissen wie der Fisch und hat daher auch andere Bedürfnisse. Doch ist es der Wissenschaft bis heute nicht möglich geworden, ein Pathometer (Leidensmesser) zu bauen. Leiden wird immer indirekt über Blutwerte oder über das Verhalten gemessen. Hier spielen Analogien eine große Rolle. D. h. wenn der Mensch sich schlecht fühlt, verändern sich seine Blutwerte und sein Verhalten. Nur aufgrund von einem Analogieschluß geht man davon aus, daß sich Tiere, die dieselbe Veränderung anzeigen, ebenfalls schlecht fühlen. Analogien werden also nur in den Bereichen gezogen, in denen aufgrund der Evolution auch Gleichheiten und Ähnlichkeiten bestehen. Vergleiche in anderen Bereichen heranzuziehen, ist demgegenüber tatsächlich absurd und abzulehnen.
Tötung
Für die Tötung von Nerzen werden meistens Gase eingesetzt. Hierzu werden die Tiere in eine Kiste geworfen, in der sich CO oder CO2 befindet. Als CO2-Quelle dient eine Gasflasche, während bei der Verwendung von CO auch auf Abgase eines Benzinmotors zurückgegriffen wird. Heller hält diese Tötungsmethode für die "vermutlich schonendste". Die Tiere werden, laut Heller, nach weniger als 30 Sekunden bewußtlos. Auch hierfür gibt Heller keine Belege an. Er führt zwar eine Untersuchung an, die schnelle Bewußtlosigkeit bei der Tötung der Tiere mit Gas feststellte (29). Dies ist jedoch nicht nachvollziehbar, da die Untersuchung bei der Verwendung von Kohlenstoffmonoxid (aus Benzinmotoren) erst nach 64 Sekunden Bewußtlosigkeit feststellen konnte. Bei der Verwendung von Kohlenstoffdioxid konnte zwar eine Bewußtlosigkeit "schon" nach 19 Sekunden festgestellt werden, jedoch weist Heller selber darauf hin, daß hierzu hohe Kohlenstoffdioxid-Konzentrationen nötig sind. Diese mögen vielleicht bei Laborversuchen erreicht werden, bei der Akkordtötung in der Praxis sieht das jedoch etwas anders aus. Einige Züchter setzen übrigens zuerst die Tiere in die Kiste und leiten erst dann das Gas ein. Dies verzögert natürlich den Todeseintritt. Hinzu kommt noch, daß das als geruchlos geltende CO2 in hohen Konzentrationen zu Reizungen der Atemwege führt und das CO aufgrund von schlechter Kühlung und Filterung von den Tieren sowieso bemerkt wird. Auch wenn es sich bei beiden Gasen um geruchlose und schonend tötende Gase handeln würde, kann von einer schonenden Tötung der Tiere nicht gesprochen werden. Alleine das Herausnehmen der Tiere aus ihren Käfigen und das Werfen in eine Kiste, in der schon tote, halbtote und noch lebendige Artgenossen sind, führt zu einer starken Streßsituation.
In einem Lehrbuch für Pelztierzüchter findet man dann auch
eine etwas realistischere Beschreibung der Tötung mit CO: "Kohlenmonoxid
(CO) in der Regel durch Einleitung von Motorabgasen in den Tötungskasten.
CO wirkt dabei als Atemgift. Das reine Gas führt nur bei Verwendung
genügend hoher Konzentration zu einem schnellen und schmerzlosen Tod.
Nerze werden nach etwa 130 Sekunden bewußtlos. Nach weiteren 3 bis
4 Minuten in dem mit CO angereicherten Milieu tritt der klinische Tod durch
Herzstillstand ein. Vor der Bewußtlosigkeit sind die Tiere stark erregt
mit zunehmenden Anzeichen der Atemnot, die Tiere schreien, setzen Harn und
Kot ab, wobei die Felle häufig stark verschmutzt werden. Dieses Verfahren
wird in vielen Ländern bei der Pelztiertötung angewendet."
(30)
Eine weitere Untersuchung hat starke Muskelkrämpfe bei der Verwendung
von CO festgestellt. (31)
Bei der Verwendung von Kohlenstoffdioxid geht Wenzel von einer Zeitspanne von 50-60 Sekunden bis zur Bewußtlosigkeit und etwa 3 weiteren Minuten bis zum Tod aus.
Schlußbetrachtung
Nach dieser kurzen Überprüfung der von Heller genannten Gutachten läßt sich leicht feststellen, daß die Erstellung von Gefälligkeitsgutachten wohl die Regel in der Pelztierzucht ist. Möglichkeiten, dies zu tun, gibt es reichlich. Hier seien nochmals einige - unabhängig von der Untersuchungsmethode - dargestellt:
1. Wahl eines (un)geeigneten Indikators. Wie oben gezeigt, wurden z.
B. Reproduktionsergebnisse als Indikator verwendet. Diese sind jedoch zur
Feststellung von Leiden ungeeignet.
2. Wahl eines (un)geeigneten Bezugssystems. Von Tierschützern wird
für die Haltung von Pelztieren ein ausreichend großes und strukturiertes
Gehege verlangt. Die Wissenschaftler der Pelzbranche vergleichen jedoch
in der Regel die übliche Käfighaltung mit einer anderen, nur marginal
größeren Käfighaltung. Wenn also keine signifikanten Unterschiede
festzustellen sind, liegt dies an der falschen Wahl des Bezugssystems.
3. In die Untersuchung werden reale Verhältnisse nicht mit einbezogen.
Wie unter "Domestikation und Tötung" gezeigt, gehen die Wissenschaftler
von Verhältnissen aus, die in der Zucht nicht zutreffen (Selektion
auf Verhaltensmerkmale, genügend hohe Gaskonzentration in der Gaskiste
vor dem Einsetzen der Tiere).
4. In anderen Fällen werden die richtigen Indikatoren mit in die Untersuchung
einbezogen. Bei der Interpretation und der Schlußfolgerung werden
diese Beobachtungen jedoch als unbedeutend abgestempelt (siehe unter "Käfiggröße").
Sollten diese Mittel und Wege den Wissenschaftler nicht zum - von der
Pelzbranche gewünschten - Ergebnis führen, schreckt er nicht davor
zurück, seine eigenen Untersuchungen zu relativieren oder gar für
nichtig zu erklären.
__________
(28) Hughes (1976) nach: Leiden und Wohlbefinden bei Tieren
(29) Enggaard u.a. (1989): Euthanasia of mink by means of CO2, CO and N2
(30) Wenzel (1989): Das Pelztierbuch
(31) Lamboy (1986): Deutscher Pelztierzüchter 8/86