Pohlmann - Plohmann - Lohmann...
Was für Legehybriden werden die deutschen Hühnerbarone Pohlmann, Schockemöhle, Siemer, Meerheimb, Ehlenberger usw. wohl in ihren Käfigbatterien haben? Alexander Farkas recherchierte dieser Frage für die Tierbefreiung aktuell hinterher. Und berichtet über jene, bei denen die Ausbeutung von Mensch und Tier Hand in Hand geht. Es werden mit Sicherheit Legehybriden der Gruppe Lohmann/Wesjohann sein. In Deutschland sind 85% aller weißen und 60% aller braunen Legehybriden, Lohmann-Hennen.
Doch nicht nur in der ,Legehennenvermehrung" ist die Lohmann-Gruppe ganz vorne. Über zahlreiche Tochtergesellschaften bietet die Gruppe Komplettlösungen: Tierzucht, schlüsselfertige Geflügelfarmen, Arzneimittel, Nahrungsmittel, ... . Allgemein bekannt dürften wohl die Wiesenhofbrathähnchen sein. Wiesenhof, Deutschlands größter Anbieter von Brathähnchen, beliefert u. a. die Aastheken der Supermärkte und so beliebte Restaurants wie die Wienerwaldkette (fast so beliebt wie Mc Donalds).
Die ,Geflügelproduktion", von der ,Kükenvermehrung" über die Mast bis zum Schlachthof und der Vermarktung, ist fest in der Hand des Konzerns. Die 700 Mäster, die für die Brüder Wesjohann (Wiesenhof) schuften, sind sogenannte Lohnmä-ster. Sie stellen ihre Ställe und Arbeitskraft, müssen Produkte wie Lohmann-Küken, Lohmann-Impfstoffe, Lohmann-Futtermittel kaufen und müssen auch im Lohmann/Wesjohann-Schlachthof die Tiere abschlachten lassen.
Die Lohmann-Gruppe kann dem Mäster die Preise diktieren, zu denen er die Lohmann-Produkte zu kaufen und zu welchen Preisen er seine Brathähnchen an Wiesenhof zu verkaufen hat. Die Lohmann-Gruppe kann so getrost das Gummiband der ,Geflügelproduktion" lang ziehen, denn reißen wird es ausschließlich bei den Mästern, welche das Risiko allein tragen müssen. Die Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien müssen als Begründung für diese Aus-beutung der Lohnmästern, ehemalige Bauern, herhalten. Da ist es wohl ein purer Zufall, daß nur Lohmann z. B. qualitativ gute Impfstoffe, Futtermittel und nicht zuletzt das ,hervorragende Tiermaterial" stellen kann. Tatsächlich ist die Hybridrasse des Typs Lohmann Meat B, die sich in nur 5 Wochen von 40g Lebendgewicht auf 1,6 kg Schlachtgewicht (das entspricht 4000%) hochfrißt, reine Qualzucht. Der enormen Zunahme des Muskelgewebes kommt der Skelettaufbau, der Herzkreislauf und die Lunge im Wachstum nicht nach.
Folge: Die Tiere haben Kreislaufprobleme, leiden am sogenannten Beinschwäche-Syndrom, die Wirbel der Wirbelsäule knicken so ab, daß sie Nerven einklemmen, welches äußerst schmerzvoll ist, Herz und Lunge können die ungeheuren Fleischmassen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen, es bildet sich nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe und Brustblasen.
Erst kürzlich deckte eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover von 1996 auf, daß der Lohmann-Hybridtyp durch sein schnelles Wachstum eher leidet als andere Zuchthybriden. Nicht nur die Lebensqualität der Tiere, auch die so hoch gelobte Fleischqualität ist Dreck, da die Sauerstoffunterversorgung einen niedrigen pH-Wert des Fleisches bewirkt und hierdurch qualitativ schlechtes PSE-Fleisch entsteht.
Nach den BSE-Skandalen betont Wesjohann, daß man bei Wiesenhof ohne Fleischmehl und Wachstumsförderer auskommt. Bei dieser schnell wachsenden Hybridrasse sind solche Mittel sowieso über-flüssig, da das unnatür-lich schnelle Wachstum bei den Lohmann-Hybriden schon in den Genen steckt. Trotzdem lügt er. Während einer gewaltfreien, autonomen Dokumentationsaktion bei dem größten Wiesenhofmastbetrieb bei Niederlehme in der nähe von Berlin wurde ein kleines Mittelchen der Selko AG, welches u. a. ,einen positiven Einfluß auf das Wachstum" hat, gefunden. Gerne wird die Hähnchen-mast auch als "bäuerliche Bodenhaltung" deklariert. Daß Brathähnchen, da sie viel zu schwer für eine Käfigkonstruktion sind, ohnehin nie in Käfigen saßen, davon spricht bewußt niemand.So wird das, was man schon lange treibt, durch offene Deklaration ein Qualitätsmerkmal! Auch wenn die Tiere nicht in Käfigen gehalten werden, Platz haben sie trotzdem nicht. Mit 22 Tieren pro Quadratmeter herrscht qualvolle Enge - wie bei den Käfighennen.Die Mäster, denen diese teure ,Qualität" aufgezwungen wird, kennen nur einen Ausweg. Um die Kosten niedrig zu halten, werden einfach mehr Tiere pro Quadratmeter eingestaallt.

Denn der Profit steigt von 16 Pf/Tier bei einer Besatz-dichte von 22 Tieren/ m2 auf 18 Pf/Tier bei einer Besatzdichte von 26 Tieren/ m2. Das rechnet sich bei Aufstal-lungszahlen von 50 000 Tie-ren pro Stall.

Zu leiden haben dabei sowieso nur die Tiere.
Nach 35 Tagen unter gedämpftem Licht und mit standardisiertem Futter werden die Hühner mit Hilfe von Maschinen mit Saugrohren, rotierenden Schaufeln oder einfach per Hand eingefangen und in Transportkisten verpackt. Mit häufigen Bein- und Flügelbrüchen
und geknickten Federn beginnt der Transport zum Schlachthaus, wo sie kopfüber an die Ständer des automatisierten Schlachtbandes gehängt werden.

Die Lohmann-Gruppe mischt in Sachen Hühnervermeh-rung und Geflügelvermarktung weltweit ganz vorne mit und es gibt nicht viel zu lachen , denn der Konsum von Geflügelfleisch ist am steigen. Alle Tierrechtler sollten neben den üblichen Ausbeutungsanstalten wie Legehennenbetriebe, Pelztierfarmen usw. auch vermehrt Hühnermast- und Schlachtbetriebe aufs Korn nehmen.
© "die tierbefreier e.V."