Der Mann, der Neubukow möglich machte

Lobby-Gutachter sind allgegenwärtig. Sie sitzen in den Sachverständigengruppen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten und der EU, als Gutachter in Gerichtssälen und in den PR-Etagen der Fleisch- und Eierverbände, um Gesetze, juristische Urteile und die Öffentlichkeit zu beeinflussen. Alexander Farkas beschäftigte sich für die Tierbefreiung aktuell mit ihnen. Einer von ihnen, Prof. Dr. Werner Bessei vom Institut für Tierhaltung und Tierzucht der Universität Hohenheim, hat die Genehmigung der geplanten Käfigbatterie mit 792 960 Hühnern bei Neubukow möglich gemacht.

In dem Neubukow-Gutachten heißt es unter anderem: "Zuweilen werden von Seiten des Tierschutzes für eine artgerechte Haltung von Legehennen auch Nester, Sitzstangen und Sandbäder gefordert. ... Es steht fest, daß die Tiere das Angebot dieser Einrichtungen in der Regel intensiv nutzen. Allerdings besteht über das Ausmaß der Entbehrungen, die die Tiere beim Fehlen dieser Einrichtungen tragen müssen, ein hohes Maß Unsicherheit ... ." Nach einem weiteren Artikel Besseis "besteht kein Zweifel, daß die Bewegungsfreiheit der Hennen in der Käfighaltung sehr stark eingeschränkt ist. Fraglich ist jedoch, ob den Tieren hierdurch ,vermeidbare Leiden oder Schäden' zugefügt werden." In keiner Weise begründet der Professor, weder im Neubukow-Gutachten noch in seinem Artikel, warum es für das Wohlbefinden der Hennen unerheblich sein soll, ob sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausführen können oder nicht. Von den Verfechtern der Käfighaltung wird jedoch übersehen, daß es sich bei den meisten Verhaltensweisen um Instinkthandlungen handelt, die im Erbgut fest verankert sind und sehr starr ablaufen. Sie müssen in der Regel also ablaufen, damit sich das Tier wohl fühlt. Dr. Glarita Martin erklärt dazu: "Genauso wenig wie ... Körperteile nicht willkürlich amputiert oder verstümmelt werden dürfen, ist auch eine Unterbindung oder Fehlleitung solcher angeborener Verhaltensweisen statthaft." Dies allerdings wird Herrn Bessei wenig beeindrucken. Er setzt sich nämlich ebenfalls für das Kupieren, also der schmerzhaften Verstümmelung, von Schnäbeln mehrerer Geflügelarten ein. Ganz aktuell in einer Enten-Sachverständigengruppe. Auch auf die Verhaltensänderung/ Verhaltensstörungen, die bei Käfighennen auftreten, wie Leerlauf-, Übersprunghandlungen, Bewegungsstereotypien, nervösem Fluchtverhalten ... wird in dem Gutachten nicht eingegangen.

Positiv im Sinne des Tierschutzes wird dagegen erwähnt, daß "den Tieren mehr als 10% mehr Platz zur Verfügung steht, als nach derzeit gültiger Legehennenverordnung (VO) vorgesehen ist." Wie schön, anstatt einer 3/4 DIN-A-4-Seite bekommt jede Henne ein Zwangskorsett von einer ganzen DIN-A-4-Seite Grundfläche. Übrigens die Sachverständigengruppe, welche die Legehennen-VO mitprägte, wurde von Verfechtern der Käfighaltung dominiert (Bessei war natürlich mit dabei). Einige der wenigen Gegner der Batteriehaltung wurden sogar rausgeekelt. Leiterin dieser "Experten"-Gruppe war Prof. Dr. Wegner (siehe unten).

Für die Betreuung der Tiere/Halle (Herausnahme kranker und toter Tiere) sind täglich 7 Stunden vorgesehen. Laut Meinung des Hohenheimer Wissenschaftler schon mehr als genug, schließlich zeigen Studien, daß lediglich 4,9 - 5,9 Stunden notwendig sind. Das sind 0,0022 bzw. 0,0027 Minuten pro Tier und Tag. Da haben es unsere Neubukow - Legehennen wirklich komfortabler. Man wird sich täglich um jede Henne einzeln 0,0033 Minuten lang kümmern. Wie kann man ernsthaft behaupten, daß man den Gesundheitszustand einer Henne in weniger als 0,0033 Minuten feststellen kann? In Wirklichkeit werden häufig sogar tote Tiere mehrere Wochen übersehen, so daß sie anfangen zu verwesen und ihre Körper sich regelrecht durch das Maschendraht pressen. Käfighaltung ist eben die hygienischste Haltungsmethode. "Der Genehmigung der Anlage steht somit unter den zu prüfenden Kriterien nichts entgegen." (Zitat: Werner Bessei)

Lobby-Gutachter
Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (Stand 1990):

Prof. Dr. med. vet. Peter Dorn
Prof. Dr. sc. agr. Dr. habil. Franz Ellendorf
    (ein besonders heftiger Verfechter der Käfighaltung)

Prof. Dr. med. vet. E.F. Kaleta
Prof. Dr. H. M. Hafez
Dr. med. vet. Hans-Chr. Löliger
    ebenfalls Mitglied im Beirat des Deutschen Pelzinstituts

Prof. Dr. med. vet. G. Monreal
Prof. Dr. Johannes Petersen
Prof. Dr. Siegfried Scholtyssek
Prof. Dr. Dr. h. c. O. Siegmann
Prof. Dr. H. Vogt
Prof. Dr. Rose-M. Wegner
    Leiterin der Sachverständigengruppe für die Legehennen-VO

Prof. Dr. med. vet. H. Woernle

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