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DR. MED. WALTER SCHMIDT FRAUENARZT Vorstandsmitglied der Vereinigung "Ärzte gegen Tierversuche" 78250 TENGEN - BOSSLINGEN TELEFON 07736/482 TELEFAX 07736/8696
Eine Dokumentation zum medizinischen und ethischen Aspekt Der ethische Anspruch der klassischen Medizin Hippokrates, der große Arzt der griechischen Antike, 500 v Chr., gilt als Begründer der klassischen Medizin, die die Erfahrung als wissenschaftliche Grundlage in den Vordergrund stellt. Er glaubte an die Selbstheilungskraft des erkrankten Organismus und schuf als erster den Begriff der Ganzheitsmedizin, einer Ausgewogenheit zwischen Körper und Seele. Der heute leider zunehmend mißachtete Eid des Hippokrates, dem jeder werdende Arzt verpflichtet ist, gilt als Dokument humanen ethischen Empfindens. Dem darin geforderten Bestreben, Leben zu erhalten und zu schützen, sowie die Würde des Kranken oder Sterbenden zu achten, wird unsere heutige Medizin nicht mehr gerecht. Sie hat sich von diesem obersten Gebot unseres Arztberufes erschreckend weit entfernt. Unsere derzeitige Schulmedizin ist zu einer Reparaturmedizin geworden, die den Menschen zum Ersatzteillager degradiert. Seit nahezu hundert Jahren war es der Traum ehrgeiziger Forscher, Organe auszutauschen, und mit ihren ersten Versuchen eröffneten sie das Zeitalter der Transplantationschirurgie. Diese Dokumentation beschäftigt sich mit dem medizinischen und ethischen Aspekt einer Übertragung von Tierorganen auf den Menschen. Die Geschichte der Xenotransplantation - eine Kette von MißerfolgenDie Geschichte der Organverpflanzung ist eine lange Kette leidvoller und folgenschwerer Fehlschläge. Claude Bernard, Mitte des 19 Jahrhunderts, ein unrühmlicher Name, dessen unvorstellbar grausamen Tierexperimente schon bei seinen damaligen Arztkollegen Abscheu hervorriefen, machte es manchen späteren Wissenschaftlern leicht, die natürliche Tötungshemmung zu überwinden und das Lebensrecht de Tiere ihrem Forscherehrgeiz unterzuordnen. Das Experiment, Organe von Mensch zu Mensch zu verpflanzen, erschien den ersten Transplanteuren zu gewagt, und so lag es damals schon nahe, sich der Tiere als Organspender zu bedienen und Tierorgane auf den Menschen zu übertragen. Diese, jeglichem ethischen Empfinden widersprechende Methode bezeichnet man als Xenotransplantation unter Verwendung des altgriechischen Wortes xenos, das "fremd" bedeutet. 1682 versorgte man in Rußland die Schädelverletzung eines hohen Adeligen mit einem Knochenstück eines Hundeschädels. Da ihm die Exkommunikation angedroht wurde, ließ er das Implantat wieder entfernen. Die erste wirkliche Tierorganverpflanzung erfolgte 1893, wobei einem Schaf ohne Betäubung die Bauchspeicheldrüse entnommen und einem Menschen implantiert wurde. Drei Tage später war er tot. In Frankreich übertrug 1905 ein Chirurg einem Kind eine Kaninchenniere. Nach 16 Tagen starb es an Urämie (Harnvergiftung). 1918 verpflanzte ein deutscher Operateur die Niere eines Affen, aber auch dieser Patient starb nach nur 32 Stunden. Ebenso endete 1923 die Transplantation einer Schafniere nach neun Tagen tödlich. Als einen Kunstfehler bezeichnete man die 1974 von Prof. Gütgemann an der Bonner Universität durchgeführte Operation an einer 23jährigen Krankenschwester. Er schloß ihre Leber an drei Pavianlebern an, um mittels einer solchen vitalen Dialyse die schwere Leberentzündung der Patientin zu behandeln, die diesen Eingriff jedoch nicht überlebte. Kollegen unter den Chirurgen sprachen von einem medizinischen Irrsinn. Daß er den Tieren die Bauchhöhle bei vollem Bewußtsein eröffnete, läßt dieses Experiment noch abwegiger erscheinen. Auf weltweite Ablehnung stieß 1984 die Operation des Baby Fae, das mit einem Pavianherzen lediglich 20 Tage überlebte. Zwei weitere Transplantationen von Pavianherzen mißglückten ebenfalls. 14 Bluttransfusionen und starke entzündungshemmende Medikamente konnten auch diese Patienten nicht retten. Nach dem Tod wurden bei einem der beiden Empfänger Pavianzellen in Haut, Herz, Lungen, Nieren und Lymphknoten vorgefunden, was die Befürchtung bestätigte, daß auf dem Blutweg tierische Zellen sich auch in den von der Transplantation nicht direkt betroffenen Organen einnisten. Niemand kann voraussagen, wie die Folgen einer solchen Zellsymbiose aussehen werden. Eine bisher vernachlässigte Frage bei einer Xenotransplantation ist auch die nach dem erreichbaren Alter der tierischen Organe, was bei der derzeitigen Tierhaltung schwer zu beantworten sein dürfte. Die bewiesene Verwandtschaft zwischen Schimpansen und Menschen änderte nichts daran, daß bis heute noch kein einziger Patient eine Xenotransplantation überlebte. Verschiedene Arten der TransplantationMan unterscheidet mehrere Arten der Transplantation, auf die ich hier eingehen möchte: Bei der autoqenen Transplantation sind Spender und Empfänger identisch, z.B. wenn bei schweren Verbrennungen Hautpartien aus dem Oberschenkel auf die Schadstelle transplantiert werden. Bei der syngenen Transplantation sind Spender und Empfänger genetisch identisch. Eine dementsprechende Übertragung zwischen eineiigen Zwillingen kann ohne wesentliche Probleme erfolgen. Unter alloqener Transplantation versteht man Organübertragungen innerhalb derselben Spezies, im Gegensatz zur xenoqenen Transplantation, kurz Xenotransplantation genannt. In diesem Falle also die Übertragung eines Tierorgans auf den Menschen, wie bei den eingangs erwähnten Beispielen. Soll ein transplantiertes Organ eine Dauerfunktion erfüllen, bezeichnet man das als allovitale Transplantation. Bei einer nur zeitlich begrenzten Funktion spricht man von allostatischer Methode. Die Abstoßung des Fremdorgans ist das HauptproblemDas größte Problem der Transplantationsmedizin ist keineswegs das fachliche Können des Chirurgen, sondern das bis heute noch nicht beherrschbare Dilemma der Abstoßungsgefahr des Transplantates. Eine Krankheit kann generell nur dann entstehen, wenn das eigene Immunsystem als Abwehrzentrale geschädigt ist. Jeder Mensch hat ein angeborenes Immunsystem. Das Blutplasma enthält u.a. Blutzellen, die uns vor Infektionen und Fremdkörpern schützen. Phagozyten, sog. Freßzellen, umschließen einen Fremdkörper und machen ihn unschädlich. Killerzellen sind in der Lage, Viren oder bösartige Zellen zu vernichten. Antikörper sind spezifische Eiweißkörper, die - im vorliegenden Falle bei Kontakt des Organismus mit körperfremdem Gewebe dieses attackieren und abstoßen. Seit man die Bedeutung der an sich segensreichen und lebenserhaltenden Antikörperfunktion als Ursache der Abstoßung der Transplantate kennt, war es das Bestreben der Transplanteure, diese zu supprimieren, also zu unterdrücken. Trotz aller Bemühungen dieser Art sieht sich die Forschung stets mit neuen Hürden konfrontiert. Hoffnungslos ist es, wenn eine sog. hyperakute Abwehrreaktion eintritt, die ein Transplantiertes Organ in Sekunden oder Minuten gewissermaßen unter den Händen des Chirurgen zerfallen läßt. Eine solche tritt aber nur bei Artenverschiedenheit auf, also lediglich in der Xenotransplantation von Tier zu Mensch. Bei artgleichen Transplantationen besteht die Gefahr in einer chronischen Abstoßung. Eine Heerschar von Antikörpern zirkuliert trotz Suppression im Blutkreislauf des Empfängers, so daß eine spätere Abstoßung vorprogrammiert sein kann. Man versucht durch Medikamente, die Antikörper weitgehend in Schach zu halten, wobei sich Cyclosporin bis jetzt am besten bewährt hat. Es ist ein vor 20 Jahren zufällig entdeckter norwegischer Pilz, also keineswegs, wie oft fälschlich behauptet, ein Erfolgsergebnis aus Tierversuchen. 80% der transplantierten menschlichen Spenderherzen überleben mit seiner Hilfe um ca. fünf Jahre. Aber auch dieses, die Immunabwehr hemmende Medikament muß trotz seiner Nebenwirkungen lebenslang eingenommen werden. Ein weiteres supprimierendes Medikament ist Sandimmun, das der Firma Sandoz pro Jahr eine Milliarde Dollar einbringt. Ein neues, sehr kompliziertes Verfahren, Antikörper aus dem Blut herauszufiltern, scheint sich nicht durchzusetzen, da es sich ja, bei ständiger Neubildung der Blutzellen, nicht um eine einmalige Maßnahme handelt, denn die Antikörper müßten ja permanent eliminiert werden. Mit dem Erfolg einer Supprimierung der Antikörper hat man sich natürlich andererseits eine lebenslange Immunschwäche eingehandelt, die dazu führt, daß nun selbst banale Erkrankungen, sog. opportunistische Erkrankungen, bedrohlich werden können, da die normalerweise schützenden Abwehrmechanismen nunmehr fehlen. MehrfachtransplantationenErschwerend kommt hinzu, daß oft nicht nur ein Organ transplantierbedürftig ist, sondern gleich zwei oder drei voneinander abhängige Organe. So können z.B. schwere Lungenerkrankungen das in engem Blutaustausch verbundene Herz so schwer in Mitleidenschaft ziehen, daß gleichzeitig Herz und Lunge transplantiert werden müssen, was nur mittels einer Herz-Lungen-Maschine möglich ist, da das Empfängerherz wahrend der Operation außer Funktion sein muß. Die Maschine halt den Blutkreislauf aufrecht, versorgt das Blut mit Sauerstoff und senkt die Körpertemperatur auf 30°. 1981 wurde in Kalifornien erstmals eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation durchgeführt. 1993 ersetzte der Tierexperimentator Prof. Broetsch vom Universitätskrankenhaus Eppendorf einem 35jährigen Mann in zwei mehrstündigen Operationen gleichzeitig Herz und Leber. Nach drei Wochen verstarb der Patient an einem Multiorganversagen. Weltweit waren es nur wenige, über deren Erfolg oder Mißerfolg sehr spärliche Ergebnisse bekannt wurden. Patienten nach kombinierten Leber-und Dünndarmoperationen müssen neben der Abhängigkeit von Suppressiva lebenslang künstlich ernährt werden, was kaum durchführbar ist. Christiaan Barnard - ein zweifelhafter PionierMit dem Namen Christiaan Barnard, Herzchirurg am Kappstadter Groteschuur-Krankenhaus, dem man die erste Herztransplantation zuschreibt, verbindet sich ein langer Leidensweg für Tiere, die für seinen Ehrgeiz unvorstellbare Qualen erleiden mußten. Den Eingriff einer Herzverpflanzung hat er zuvor an 50 Hunden geübt, von denen kein einziges Tier die Operation überstand. Aber auch sein Patient Washkanski überlebte die Herzverpflanzung nur 18 Tage. Bevor er starb, sagte er noch: "Ich will sterben. Ich kann nicht schlafen, ich kann nichts essen. Pausenlos traktiert man mich Tag und Nacht mit Spritzen. Ich werde wahnsinnig". Wenig bekannt wurde allerdings, daß Barnards Herztransplantation gar nicht die erste war. Lediglich ihm wurde der Ruhm zuteil. Die nächste Herzverpflanzung führte er bei dem Zahnarzt Blaiberg durch, der fast zwei Jahre überlebte, dessen Tochter aber in einem Interview kurz nach seinem Tod bekannte, daß die überlebten 19 Monate für ihren Vater die reinste Hölle gewesen seien. 1977 implantierte Barnard einer 25jährigen Italienerin ein Pavianherz. Bereits nach zweieinhalb Stunden verstarb sie, da das Pavianherz zu klein war und somit die Blutversorgung nicht bewältigte. Empörung wurde laut, als bekannt wurde, daß Barnard das Herz des Pavians ohne jegliche Betäubung herausoperiert hatte. Bekannte Herzchirurgen bestätigen, daß zwar eine Herztransplantation technisch gesehen mit lediglich vier großen Verbindungsnähten mit dem Spenderherz keine besonderen Schwierigkeiten bereitet, um so mehr aber die Zeit vor und danach. Die Auswahlkriterien: Gleiche Blutgruppen und der Ausschluß von Infektionskeimen sind äußerst problematisch. Zudem müssen die Organe nach Möglichkeit gleiches Gewicht und gleiche Größe haben. Das Leben mit einem neuen Organ, ob Niere, Leber oder Herz erlegt dem Empfänger eine absolut gesunde Lebensweise auf, denn die Übertragung einer Lunge auf einen Patienten, der seine Rauchergewohnheit nicht aufgeben würde, wäre ebenso illusorisch wie eine Lebertransplantation bei einem Alkoholiker. Das große Risiko: die Übertraqung von VirenBei der Organverpflanzung von Mensch zu Mensch lauert außer der einer Abstoßung des Transplantates noch eine andere Gefahr: Bei einem amerikanischen Empfänger eines Spenderherzens wurden Knochenkrebszellen diagnostiziert, die eindeutig vom Spender stammten. Erst nach der Transplantation entdeckte man bei der Sektion des Spenders Lymphknotenmetastasen nach Prostatakrebs. Der Operateur gab zu bedenken, daß es bei der Eile solcher Operationen unmöglich sei, eventuelle bösartige Befunde eines Spenders auszuschließen. Die Hauptzahl der Spender sind Unfalltote oder Patienten, die durch Hirnblutungen zu Tode kamen. Da die Wartezeiten auf ein Spenderorgan meist sehr lang sind, ist die Situation bei Nierentransplantationen insofern günstig, als die Dialyse eine Überbrückung darstellt, wobei die 1800 Liter Blut, die täglich die Niere durchfließen, 400 mal gefiltert werden müssen. Was die Xenotransplantation so fragwürdig sein läßt, ist, abgesehen von ethischen Erwägungen die Gefahr einer Mitübertragung von zum Teil auch unbekannten Viren. Dieses Problem zog schon bei der Herstellung des Polio-lmpfstoffes eine Tragödie nach sich. Damals wurden täglich über 100 Affen getötet- insgesamt 1,5 Millionen deren Nieren zur Herstellung des Impfstoffes verwertet wurden. Die darin enthaltenen unbekannten Viren, an denen die Tiere selbst nicht erkrankten, wirkten beim Menschen tödlich - eine der verhängnisvollsten Impfkatastrophen. Tückische RetrovirenGeradezu raffiniert wird die menschliche Körperabwehr von Retroviren, wie dem Aidsvirus, ausgetrickst. Retroviren bedienen sich, um aktiv werden zu können, menschlicher Wirtszellen, in deren Kern sie ihre eigenen genetischen Programme einbringen und sich darin vermehren. Die Raffinesse besteht darin, daß sie entsprechende Eiweißstoffe aus der Wirtszelle aufnehmen, die Zelle danach wieder verlassen und nun selbst mit diesen Eiweißstoffen die Waffe besitzen, das menschliche Abwehrsystem außer Gefecht zu setzen. Wenn also Schweine solche Retroviren beherbergen, können diese, wie beschrieben, das menschliche Abwehrsystem überlisten. Eine besondere Art solcher Retroviren sind die sog. Coxsakie-Viren, die beim Menschen schwere Entzündungen des Herzmuskels hervorrufen. Namhaften Forschern erscheint es daher nahezu unmöglich, sozusagen als Vorbeugung alle transplantierbaren Schweineorgane auf verdächtige Viren zu überprüfen, um jedes Risiko auszuschalten. So ist der Ausspruch von Prof. Denner vom Paul-Ehrlich-lnstitut sehr treffend, daß genveränderte Schweineorgane, um eigentlich Leben zu retten, als Trojanisches Pferd eine für den Menschen tödliche Fracht enthalten. Ähnliches geschah auch bei der Übertragung von Immunzellen aus dem Knochenmark eines Pavians auf einen Aidskranken. Da Affen nicht an Aids erkranken, selbst dann nicht, wenn man ihnen den Erreger direkt injiziert, schien diese Zusatzgefahr gebannt, aber der Spender-Pavian war mit dem krebserregenden Epstein-Barr-Virus infiziert. Robin Weiss, ein britischer Virologe, entdeckte im Erbgut von Schweinen Retroviren, die dem Aidsvirus verwandt und ebenso wandlungsfähig sind. Das führte selbst bei Prof. Bach von der Harward Universität, bislang prominentester Befürworter der Xenotransplantation, zu einem Sinneswandel. Er befürchtet durch die Verwendung von Schweineorganen unkontrollierbare Risiken durch solche Viren, sowohl für den Operierten selbst, als auch für dessen Umfeld. Er setzt sich deshalb für ein Moratorium der Xenotransplantation ein. Das Influenza-Virus wurde 1918 durch Tröpfcheninfektion vom Schwein auf den Menschen übertragen und forderte weltweit 20 Millionen Tote. Retroviren benötigen zu ihrer Vermehrung sog. Wirtszellen. Durch ein implanliertes Schweineorgan finden die darin befindlichen Retroviren in den Zellen des menschlichen Empfängers eine ideale Voraussetzung. Der amerikanische Tiervirologe Dr. Allan räumte wörtlich ein: "Von unseren 400 Tieren ist kein einziges frei von Viren, die für sie selbst ungefährlich sind, Menschen aber töten können. Man kann nämlich zur Vorsorge nur das suchen, was man kennt. Jede Xenotransplantation birgt ein unkalkulierbares, möglicherweise tödliches Risiko in sich." Obwohl sich in den bisherigen Herzklappen aus Schweineherzen enthaltene Bakterien ausschließen lassen, da sie - im Gegensatz zu vollständigen Organen - sterilisiert werden können, ersetzt man sie häufig durch Kunststoff oder Metallringe mit einer Haltbarkeit von 10 - 15 Jahren. Schweinehaut wird in großen amerikanischen Spezialkliniken für schwere Brandverletzungen längst durch künstliche Haut oder gezüchtete Hautzellen des Verletzten ersetzt. Warum Organe vom Schwein?Nachdem einerseits die Verpflanzung von Affenorganen zu vielen tragischen Mißerfolgen geführt hat, andererseits aber die große Anzahl der benötigten menschlichen Spenderorgane nicht zur Verfügung steht, sieht die medizinische Forschung die Lösung dieses Problems in der Verwendung von Schweineorganen. Einen Vorteil sehen die Xenotransplanteure dann, daß Nieren, Leber, Herz und Lungen größenmäßig denen des Menschen am nächsten kommen. Die Gefahr der Abstoßung besteht nach Ansicht einiger Herzchirurgen hierbei jedoch in noch größerem Maße. Um diese Hürde zu nehmen, glaubt die tierexperimentelle Forschung, die Lösung in der Schaffung sog. transgener Tiere zu finden, wobei man menschliches Erbmaterial in den männlichen Zellkern einer befruchteten tierischen Eizelle einschleust. Hierzu ein Hinweis auf die Verhaltensweise unseres eigenen Immunsystems: Menschliche Antikörper heften sich an die Oberfläche der als "Feind" erkannten Fremdzellen und vernichten sie. Bestimmte Eiweißkörper auf der Oberfläche der eigenen Körperzellen geben unserem Immunsystem zu verstehen, in einer Art Waffenstillstand diese Zellen unbehelligt zu lassen. So hat sich im menschlichen Organismus in Millionen von Jahren der Evolution ein System entwickelt, das Krankheiten zwischen verschiedenen Arten verhindert. Durch eine genetische Manipulation möchte man die Zelloberflächen des tierischen Organs mit eben diesen menschlichen Eiweißstoffen versehen, um so das Abwehrsystem des Empfängers zu überlisten, indem dieses nun das "feindliche" Organ als Freund einstuft und so eine Abstoßung verhindert. 97% dieser Experimente sind fehlgeschlagen. Bei der Lebensdauer eines Schweineorgans von etwa 15 Jahren müßte demnach während eines menschlichen Lebens die gleiche Transplantation zwei- bis dreimal vorgenommen werden. In vielen vorausgegangenen Tierversuchen wurden gentechnisch veränderte Schweineherzen versuchsweise Affen nicht in den Brustkorb eingenäht, sondern als "Zusatzherz" außerhalb des Körpers an Blutgefäße der Halspartie angenäht. Viele der Affen starben an den überdosierten Immunsuppressiva. Daß die Schweineherzen mit menschlichen, anstatt mit affenspezifschen Genen manipuliert wurden, widerspricht der Logik. Wo sind die Grenzen?Neben vielen seriösen Wissenschaftlern gibt es aber Forscher, deren Profilierungssucht und skrupelloser Ehrgeiz vor keiner perversen Absurdität zurückschreckt. Zu ihnen gehört v.a. Professor White, Neurochirurg an der Cleveland Universitätsklinik in USA. Vor mehr als 20 Jahren verpflanzte er Affen- und Hundegehirne und 1970 den Kopf eines Affen auf den Körper eines anderen Primaten. Nach seinen eigenen Worten sei es ihm sogar gelungen, mehr als 100 isolierte Affenhirne einige Stunden mit Hilfe von Herz-Lungen-Maschinen am Leben zu erhalten, ja sogar einige Tage, wenn man diese Hirne an einen kopflosen Körper als Versorgungszentrale anschließt. Bei den Hirnen seien sogar Empfindungsfähigkeiten erhalten geblieben. Nach seinen Erfahrungen wünsche er, der erste Operateur der Welt zu sein, dem es gelingt, Menschenköpfe zu verpflanzen. Ihm schwebe vor, den Kopf eines Kindes von seinem krebszerstörten Leib abzutrennen und ihn über das Blutsystem seiner neben ihm liegenden Mutter so lange zu versorgen, bis ein kindlicher Spenderleib gefunden ist. Daß der Körper danach gelähmt bleibt, möge man in Kauf nehmen. Es sei eben "ein Kopf auf einem Kissen", der nicht sprechen und sich nicht bewegen kann, aber eine Intelligenz, ein Gedächtnis und eine Persönlichkeit hat. Was nützt eine Intelligenz, wenn sie nicht in Sprache umgesetzt werden kann? Ein angeblich vorhandenes Empfindungsvermögen muß in einem solchen Fall doch zur Qual werden. Die Gefühllosigkeit, mit der Prof. White seine Tierexperimente durchführt, kommentierte ein Journalist mit den Worten: "Tiere, wenn sie an den Teufel glaubten, wurden sich ihn in Menschengestalt vorstellen." Wie ist es mit der Ethik des Vatikan vereinbar, daß ein solcher Experimentator in den exklusiven Forscherzirkel der Vatikanischen Pontifikalakademie berufen wurde? Eine solche Zukunftsvision muß jeden, der ein normales Empfindungsvermögen besitzt, erschaudern lassen. Kein Beispiel ist besser geeignet, eine solch makabre Situation vor Augen zu führen, als das Schicksal des 55jährigen spanischen Seemanns Sampedro, der durch einen Unfall seit 29 Jahren vom Hals ab gelähmt war. Seine letzten Worte (Jan. 98) waren: "Wenn ich das Zyankali getrunken habe, geht für mich die erniedrigendste Form des Leidens zu Ende. Ich war ein lebender Kopf auf einem toten Körper." White's Kollegen sagten offen: "Nicht einmal in 100 Jahren sehen wir in seiner Forschung einen Wert für eine klinische Anwendbarkeit." White hält für seine Xenotransplantationspläne an seiner Universität eigene Schweineställe und genießt somit den Ruf eines akademischen Schweinezüchters. Organmangel führt zu fraqwürdigem OrganhandelDie Auswüchse der Transplantationsmedizin sind erschreckend. Bei Lebendspendern sind einem illegalen Organhandel Tür und Tor geöffnet. Schon jetzt werden notleidende Menschen in der Dritten Welt durch kriminelle Geschäftemacher, darunter auch Ärzte, schamlos ausgenutzt. Kinder verschwinden und werden einige Tage danach auf einer Müllkippe wiedergefunden. Den notdürftig vernähten Leichen fehlen alle transplantierbaren Organe. Eltern verkaufen ihre Kinder zu Transplantationszwecken. In Ägypten ließ sich ein Vater 5000 Dollar für die Niere seiner Tochter auszahlen, um sich ein neues Auto kaufen zu können. In der San-Camillo-Klinik in Rom gab der Chefarzt zu, Sterbenden Augen entfernt und durch Glasaugen ersetzt zu haben, was durch Exhumierung der Verstorbenen bestätigt wurde. Gibt es Alternativen?Ganz abgesehen von den bisher ungelösten Problemen der Xenotransplantation sind es die immensen Kosten, die solche Transplantationen scheitern lassen könnten. Sie variieren zwischen 100 000 und einer Million DM, Gelder, die einer Präventionsmedizin zur Erhaltung der Volksgesundheit ebenso verloren gehen wie der Forschung namhafter Wissenschaftler, die mit modernen Zellkulturtechniken Körperzellen aus körpereigenem Gewebe züchten, die dann zu Organen heranwachsen. Weder Abstoßung noch Übertragung von Krankheitserregern - wie etwa Aids - sind bei diesen Forschungsmethoden zu befürchten. Die künstliche Pumpe als Übergangslösung?Infolge eines nicht Überbrückbaren Mangels an menschlichen Spenderherzen konzentrierten sich viele Forscher auf die Erschaffung eines künstlichen Herzens. In den letzten Jahrzehnten wurden an Tausenden von Tieren Kunstherzen ausprobiert. 1969 starb der erste Kunstherzpatient bereits nach 32 Stunden an Lungenentzündung. Mechanische Herzen erzeugen nach den Worten des Herzchirurgen Callaghan der Universität Edmonton zuviel Wärme, und das gelte auch für die derzeit leistungsfähigsten Pumpen. 1982 wurde in den USA in einer 7 1/2, stündigen Operation Dr. Clark ein Kunstherz eingepflanzt, das Jahrelang an Kälbern getestet worden war. In kurzer Folge mußten ihm ein Loch in der Lunge verschlossen werden, eine versagende Klappe am Kunstherz ersetzt und wegen Dauernasenbluten Risse in der Nase operiert werden. Er bekam epileptische Anfälle, und die Atmung mußte durch eine Halsoperation erleichtert werden. Nach 111 Tagen verstarb Dr. Clark infolge körperlicher Funktionsausfälle. Der wirkliche Segen für diesen Patienten war doch wohl nicht das künstliche Herz, sondern vielmehr der erlösende Tod. Auch das von Jarvik in den USA entwickelte Kunstherz der 80er Jahre war nur von Mißerfolgen begleitet. Wegen immer neuer postoperativer Komplikationen wurde es schließlich 1990 von der amerikanischen Gesundheitsbehörde verboten. Ein Problem besonderer Art blieb bisher ungelöst: Das menschliche Gehirn regelt die Tätigkeit eines natürlichen Herzens. Angst oder Erregung beschleunigen, Ruhe und Ausgeglichenheit senken die Herzfrequenz. Diese biologische Selbstregulierung entfällt beim Kunstherzen, das immer im gleichen Rhythmus pumpt, was zu psychischen Störungen führen kann. Versuche mit Gehirnlosen FötenEin makabres Kapitel in der Transplantationsmedizin ist die Verwendung von Anencephalen als Organspender. Anencephale sind gehirnlos geborene Föten, die zwar meist nach wenigen Tagen sterben, die aber atmen und sich bewegen, somit also nicht als hirntot bezeichnet werden können. Ein Hirntoter hat keine Spontanatmung mehr und auch keine Bewegungsaktivität. Ein Anencephaler ist ein klinisch Toter mit erhaltenen Lebensfunktionen, wobei schon Mienenspiel und Wimmern beobachtet wurden. Prof. Beller, Frauenarzt und Chirurg aus Münster, führte bereits Organtrans-plantationen mit Anencephalen durch und stellte fest, daß die kleinen transplantierten Organe infolge der hohen Leistungsanforderungen des Empfängerorganismus explosionsartig wachsen. Wegen erheblicher Anfeindungen lebt er heute in den USA. Auch bei dieser Problematik wurden die Grenzen der Legalität weit überschritten. Schwangeren, bei denen bei Voruntersuchungen Anencephale festgestellt wurden, riet man von einer Unterbrechung ab, erklärte das Neugeborene für tot und bediente sich seiner Organe zur Transplantation. Es ist auch bereits machbar - und das zählt wohl zu den verabscheuungswürdigsten Auswüchsen der Gentechnologie - den im Reagenzglas gezeugten Embryo so zu manipulieren, daß das Kind als Anencephalus zur Welt kommt und somit für Organtransplantationen Verwendung finden kann. In die gleiche Richtung geht die Züchtung eines kopflosen Frosches mit normalen Organen und normaler Kreislauffunktion durch den englischen Universitäts-professor Slack. Seriöse Wissenschaftler befürchten, daß auf die gleiche Weise die Züchtung menschlicher Embryonen als Organspender möglich wird. Eine Fülle ethischer FragenDie Organtransplantation, vor allem die Xenotransplantation wirft eine Fülle ethischer Probleme auf. So die Fragen:
Die Organtransplantationsmedizin ist der Auffassung, daß Hirntod als Zeitpunkt der Organentnahme identisch ist mit dem Tod des Menschen. Dem muß widersprochen werden, da es sich um einen ethisch nicht vertretbaren Eingriff in das Sterbegeschehen handelt. Im Stadium des Hirntodes ist der ganze Mensch noch nicht tot. Der Tod ist nicht vermeidbar, aber er muß menschenwürdig sein. Die Sterbephase ist ein Abschnitt, der noch zum Leben gehört. Die Psyche selbst ist möglicherweise noch fähig wahrzunehmen, was mit dem Organismus geschieht. Der Philosoph Hans Jonas sagt hierzu: "Wer kann wissen, wenn das Seziermesser zu schneiden beginnt, ob nicht einem ausgebreiteten menschlichen Empfinden, das doch noch leidensfähig ist, hier ein letztes schweres Trauma zugefügt wird." Von einem wirklich Toten könnten gar keine Organe zur Transplantation entnommen werden. Um die erforderliche kontinuierliche Organdurchblutung zu gewährleisten, wird der Hirntote beatmet, der Kreislauf und die Körpertemperatur werden aufrecht erhalten. Danach wird die Bauchdecke vom Hals bis zum Schambein und seitlich eröffnet. Nach der Organentnahme wird der Hirntote völlig entblutet, die Organe werden konserviert. Erst zu diesem Zeitpunkt ist der Mensch wirklich tot. Bei der Xenotransplantation wird das Mitgeschöpf Tier auf eine entwürdigende Weise zur gewinnbringenden Organfabrik. Unser Gehirn ist das Zentrum unseres Denkens und Bewußtseins. Wie die angesprochenen schwerwiegenden Gewissensfragen zu verkraften sind, wird jeder nur für sich selbst zu beantworten imstande sein. Möglicherweise enthalten unsere Körperzellen eben nicht nur genetische Informationen, sondern auch welche über den Geist und die Seele. Eine Übertragung von fremden Zellen in das Gehirn birgt doch die Gefahr in sich, daß von ihnen unberechenbare genetische Programme ablaufen, die die eigentliche Hirnfunktion in unbekannte Richtung beeinflussen und eine Persönlichkeitsveränderung bewirken können. Unsere Medizin sollte sich auf ihre ethische Verpflichtung besinnen und wieder zurückfinden zu ihrer ureigensten Bedeutung, eine wahre Heilkunst zu sein und sollte sich davor hüten, die Schranken ärztlichen Denkens niederzureißen. (Stand: Juni 1998)
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