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Agrarindustrielle Träume



Unsere Agrarindustriellen, vornehmlich aus Niedersachsen, beliefern uns immer wieder mit Gesprächsstoff. Mal sind es Hormon - Skandale, ein anderes mal werden salmonellenverseuchte Hühnerbestände auf brutalste Art und Weise um die Ecke gebracht.
In der Regel kamen die Schreckensmeldungen aus Niedersachsen in die Hausstuben unserer Fernsehgesellschaft. Doch wir können aufatmen, jetzt könnte fast jeder Teil Deutschlands, besser gesagt jeder neue Teil Deutschlands, uns mit brandaktuellen Diskussionsthemen versorgen.

Nach der Wende brach nämlich eine wahre Goldgräberstimmung unter den Tierfreunden der Nation aus. Die größten Westfirmen fingen an, zu investieren - natürlich unterstützt von Vater Staat, der subventionierte was das Zeug hielt. Die LPG `s wurden links liegen gelassen. Zu klein oder zu alte Technik. Man wollte was richtig großes und das hatte die ehemalige DDR zu bieten. KIM - Betriebe (Kombinat Industrielle Mast) hießen die Betriebe gigantischen Ausmaßes, die weltweit ihres gleichen suchten und selten fanden. Tierbestände mit über 100 000 Schweinen, knapp 1 000 000 Legehennen, ca. 1 600 000 Broilern, zig tausend Rindern, Kälbern usw. waren hier zu finden. Und dazu passend gab es dann noch die "Riesen-Schlachthöfe.

Die Schlachthöfe Niederlehme und Möckern gingen an die Lohmann-Wesjohann-Gruppe, die unter dem Namen Wiesenhof vermarktet. Ebenfalls an Lohmann - Wesjohann ging das Futtermittelwerk Haldensleben. Hauptsitz von Wiesenhof ist Visbek in Niedersachsen, Vechta.
Das Puten - Unternehemn "Heidemark" (Hauptsitz im Landkreis Cloppenburg, Niedersachsen) baut um Vahldorf (ebenfalls im Kreis Haldensleben) ein Putnemastparadies auf. Bei Vahldorf steht der Schlachtbetrieb mit angeschlossener Zerlege- und Verarbeitungseinheit. Der ehemaliger Südfleisch-Manager, Löblein, baut sein kleines Fleisch-Imperium mit 13 Fleischverarbeitungsbetrieben und 3 großen Tierproduktionsstätten auf.
Moksel machte schon bald nach der Wende Schlagzeilen als die Firma das Futtermittelwerk Malchin aufgekauft hatte und der Vorstandssohn, Schneider, einen KIM-Betrieb für Rinder bei Hohenwangelin übernahm. Darüber hinaus übernahm Moksel natürlich noch ein paar Schlachthöfe. Südfleisch (beliefert McDonalds mit Hamburgern), Tönnies, Nordfleisch usw. erhielten weitere Schlachthofbetriebe.

Obwohl die Schlachthöfe nur zu 50% ausgelastet sind, werden völlig am Markt vorbei, Schlachthöfe neu- bzw. ausgebaut. Natürlich gibt es dafür Subventionen. Eine Lösung für die mangelnde Auslastung haben die Großunternehmen auch schon: Weg mit den kleinen, regionalen Schlachtereien. Wir bauen Riesen-Schlachtereien auf die Wiese.

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Und dann legen die Schlachthofkonzerne einige ihrer eigenen Schlachthöfe doch noch still, nachdem sie die Subenventionen abkassiert haben, die für den Aufbau Ost und die Schaffung von Arbeitsplätzen gedacht waren.

Ähnlich sieht es in der "Tierproduktion" aus. Gutshof aus Schackendorf griff mal ebenso der Firma Spreenhagener Vermehrungsbetriebe unter die Arme, die mit ca. 5 ehemaligen Giganto-KIM-Betrieben größter Eierproduzent der neuen Bundesländer ist. Was da so an Beteiligungen lief und immer noch läuft ist im unklaren.
Big Dutchmann, der bekannte Stalleinrichter aus Vechta, ist bei Vetschau - einem ehemaligen KIM-Betrieb - in die Broilermast eingestiegen.
Und wenn die Riesenbetriebe nicht reichen, kann man sich ja noch neue dazu bauen, dachten sich wohl die Agrarindustriellen. Bei Alt Brenz in McPom steht nun ein Hühnerschlachthof und eine Groß-Brüterei der Firma Stolle. Unternehmenshauptsitz Vechta in Niedersachsen. Bei Neubuckow möchten nun Agrarindustrielle - wahrscheinlich aus Lohne in Niedersachsen - eine der größten Legehennenanlage mit 792 960 Legehennen direkt neben eine ehemalige KIM-Anlage mit Mastplätzen für 680 000 Masthühnchen hinpflanzen. Und die Spreenhagener Vermehrungsbetriebe (Bestensee) wollen in einem Betrieb bei Gutenberg/Opin nicht mehr über 600 000 Legehennen quälen, sondern lieber 835 000 Broiler -natürlich die von der Sorte Qualzucht. Der Opiner Betrieb wird von den Vermehrungsbetrieben um- und ausgebaut, geführt wird dann der Broilermastbetrieb von ALFRA, die rund um Mockrehna KIM-Broilermastställe übernommen hat. Oder bei Hinterweidenthal (dieses mal im Westen), hier soll eine der größten Legehennenfarm Europas gebaut werden. Der Investor, Egon Ehlenberger, ist von der EHLEGO Lankost GmbH. Folgen dieser monopol-/kartellartiger Massentierhaltungskonzerne, für die "freie Marktwirtschaft" -dank Subventionen in Milliardenhöhe ! (alles zusammengerechnet)- ein Fremdwort ist, gibt es genug.

Doch lieber zurück zu dem Gesprächsstoff, mit denen wir so gut versorgt werden. Letztes Beispiel die Schweinepestfarm Losten mit über 60 000 Schweinen. Wieder KIM, wieder niedersächsische Investoren, wieder Subventionen. Wie pure Heuchelei klingen die Fragen, die von den Medien in die Runde geworfen werden: "Sind die Tierbestände nicht zu hoch?" "Ist die unappetitliche Massenkeulung von Schweinen notwendig, wenn es einen Impfstoff gegen Schweinepest gibt?" "Gibt es für die Tötung einen - vom Tierschutzgesetz verlangten - vernünftigen Grund?" Natürlich ist die Keulung gesunder Tiere - angesichts der Tatsache, daß es einen Impfstoff gibt, den man nur deshalb nicht einsetzt, weil die Bestimmungen ebenso sind wie sie sind, nämlich beschissen - ein Skandal. Die Fragen klingen jedoch so als wäre sonst alles in Ordnung mit unserer Agrarlandschaft. Als wäre der alltägliche Mord hinter den Mauern der Schlachthöfe appetitlich und als würde die Produktion von der Rohware Tier zum Stück Fleisch zwecks Weiterverwertung auf unserem Teller einen vernünftigen Grund beinhalten. Aber was ist schon vernünftig bei diesem Subventions- und BSE-Wahnsinn.

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