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animal farm investigation

Der Traum vom Pelz

von Sabrina Furter


Die Skrupel vor dem Tragen eines Nerz- oder Fuchsmantels ist gesunken - Frau kleidet sich wieder in Pelz.
Artenschutzbedenken brauchen die meisten Pelztägerinnen dabei nicht zu haben, denn Nerz- und Fuchsfelle, die begehrtesten Pelze, kommen aus der Zucht. Eine treffliche Alternative zur grausamen Fallenjagd? Die Pelzindustrie ist der Ansicht, die Haltung von Pelztieren sei ein "selbstverständlicher Zweig landwirtschaftlicher Erwerbstätigkeit". Nerze, Füchse und andere Tiere seien "längst zu Haustieren geworden". Die Pelzträgerin von heute hat also keinen Grund für Gewissensbisse ... oder doch?

Wildnerze leben an Ufern mit üppigem Pflanzenwuchs, das ihnen ausreichend Verstecke bietet. Sie klettern und schwimmen gerne und sind etwa ab dem 4. Lebensmonat Einzelgänger. Untersuchungen ergaben, daß das Verhalten von Wild- und Zuchtnerzen gleich ist und sie sich nur in Fellqualität und Wurfgröße unterscheiden. Die Tiere haben sich also keineswegs an die Haltungsbedingungen angepaßt. Trotzdem werden sie in nahezu unstrukturierten Käfigen mit verdrecktem Trinkwasser und hohen Kothaufen gehalten. Ein durchschnittlicher Nerzkäfig hat die Größe von 0,25 m² - Gelegenheiten zum Schwimmen fehlen vollkommen. Meist müssen sich bis zu vier Tiere einen Käfig teilen. Hinzu kommen mangelnde tierärztliche Betreuung, ungenügende Hygiene sowie einseitiges, falsches oder verdorbenes Futter. Auf diese Haltungsbedingungen antworten die Tiere mit Neurosen: Von Apathie über Stereotypien bis hin zum Kannibalismus. Von einer guten Fellqualität läßt sich also nicht auf eine gute Versorgung des Tieres schließen. In der heutigen Zucht sind die Faktoren, die die Pelzeigenschaften beeinflussen, vor allem genetisch. Durch eine gezielte Auswahl von Zuchttieren wird die Pelzeigenschaft laufend verbessert, ohne daß das Wohlbefinden der Tiere positiv beeinflußt wird.

Nachdem die Schweiz schon vor fast 15 Jahren die allgemein übliche Käfighaltung für Pelztiere verboten hat, überlegt jetzt auch das holländische Parlament zumindest den Fuchszüchtern zukünftig die Haltungserlaubnis zu entziehen. Aber immer noch stammen 80% aller Felle aus Pelzfarmen. Deutschland ist im Verbrauch von Pelzen Weltspitze. Der Nerz ist mit weitem Abstand der Lieblingspelz der deutschen Käufer und liegt mit rund 30% der Nachfrage weit vor dem Persianer (5%), dem Wolf (4%) und der Bisamratte (3%). Etwa 7 Monate vegetieren die Tiere in den Drahtkäfigen dahin. Dann haben sie ihr begehrtes Winterfell und werden "erlöst".

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Für einen einzigen Mantel müssen ungefähr 50 Nerze, 150 Chinchillas, 12 Füchse und 25 Sumpfbiber sterben.

Nerze werden in der Regel in Gaskisten getötet. In eine solche Kiste werden etwa 50 Nerze geworfen und dann Auspuffgase oder CO2 hineingeleitet. Je nach Gasart dauert es bis zur Bewußtlosigkeit 50-130 Sekunden. Die Tötung von Füchsen erfolgt durch Elektroschocks. Jährlich werden über 25 Millionen Nerze, 5 Millionen Füchse, 4 Millionen Nutrias und 250 000 Chinchillas getötet.

Eines der bekanntesten Argumente, die Pelzträgerinnen zu ihrer "Verteidigung" vorbringen, ist, daß mit dem Verzicht auf Pelz auch ein Verzicht auf Leder verbunden sein muß. Leder und Pelz darf man allerdings nicht ohne weiteres gleichsetzen. Dies wird schon durch ihre unterschiedlichen Produktionswege deutlich: Das am meisten verwendete Leder ist Kalbsleder. Kälber werden aber nicht als Lederliferanten gehalten, sondern versorgen den Menschen mit Fleisch und Knochen. Das Leder fällt dabei als eine Art Nebenprodukt an. Pelze sind dagegen weitaus überflüssiger als Leder, denn Pelze stammen in erster Linie von Nerzen, dessen Fleisch höchstens als Viehfutter verwendet werden kann. Kürschner unterstreichen auch gerne die Umweltfreundlichkeit ihres "Naturprodukts". Doch Natur pur ist der Pelz schon lange nicht mehr. Um das Fell weich und seidig zu machen werden 140 Arbeitsschritte, darunter etliche Chemikalienbäder, benötigt. Aber nicht nur das: Die Produktion eines echten Pelzes verbraucht wesentlich mehr Energie als die Produktion eines Kunstpelzmantels. Kunstpelze bieten heutzutage eine gute Alternative zu echten Pelzen. Sie werden per Fotoverfahren auf echt getrimmt und sind nicht nur viel billiger, sondern auch "erstklassig strapazierfähig, wesentlich besser als Tierpelze" (Kunstpelzhändlerin Marianne Goldberg). Selbst Pelzexperten machen keinen Hehl aus der Tatsache, daß Nerz und Fuchs Textilien und Kunstpelz in puncto Kälteschutz nicht überlegen sind. Damit stellt sich die Frage, ob das Leiden und Sterben der Tiere gerechtfertigt ist, nur damit ein überflüssiges Luxusgut produziert werden kann. werden kann.


Anmerkung:

Natürlich müssen auch für Fleisch und Leder Tiere ermordet werden. Und Tiermord bleibt Tiermord. Deshalb ist auch Leder abzulehnen.

siehe auch:
Friedhof der Kuscheltiere
Angriff ist die beste Verteidigung


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